Donnerstag, 30. Juni 2016

ein (kurzer) tag in maastricht

mit dem fahr/radeln allerdings die anderen . . .



Einfach mal raus. Einen Tag in einer (fremden) Stadt verbringen. Ich überlege und hole den Atlas hervor, fahre mit dem Finger über bekannte und unbekannte Orte. Ja, etwas Neues wäre schön, aber Altbekanntes neu aufzufrischen auch. Es im Sommer/Licht zu sehen. Spontan entscheide ich mich für bekannt und entgegen meines Vorhabens für eine Fahrt nach Holland. Gleich am nächsten Morgen geht es los. Wobei: Morgen ist übertrieben. Der Drang, den Tag bis auf die letzte Minute auszuquetschen lässt tatsächlich nach. Die Stimme, die >lohnt sich nicht mehr . . .< flüstert, auf die höre ich schon länger nicht mehr. Lohnt sich immer! Mittlerweile finde ich es eh viel schöner, genau das mitzunehmen, was ich wirklich mag, anstatt Orte nach Liste nur kurz abzuhaken. Je mehr Eindrücke, umso mehr gilt es auch sie zu verarbeiten, und da ich die guten Momente nur ungern sofort überdecken möchte, bleibe ich bei den liebsten. Peu à peu. Nicht immer alle auf einmal, aber immer wieder gerne (die gleichen).

Die Fahrt mit dem Auto nach Maastricht dauert von Düsseldorf aus etwas über eine Stunde. Prima. Parken allerdings ist nicht ganz so prima und leider teuer. Direkt im Zentrum kostet ein Tagesticket schonmal bis zu 35 Euro. Je weiter man sich vom Kern entfernt, desto günstiger wird es natürlich, kostenlose Parkplätze (man korrigiere mich gerne!) gibt es meines Wissens aber nicht. Ich entscheide mich für den moderaten Tarif im Q-Park Plein 1992 mit maximal 13 Euro pro Tag (hier gibt es übrigens eine Übersicht aller Parkhäuser in Maastricht), vor allem auch weil die Lage (für mich) ideal ist. Das Parkhaus liegt auf der linken Seite der Maas und schließt um zwei Ecken an die Rechtstraat an. Ein etwas leiseres Viertel mit kleinen Geschäften und Restaurants, nicht so übertrieben hektisch und voll wie die Innenstadt. Außerdem liegt direkt nebenan ein Albert Heijn. Ein Besuch im Supermarkt gehört für mich in jeder ausländischen Stadt dazu :) Die biologische Alternative ist Estafette. Ebenfalls auf dem Plein liegt die Bakkerij Koos. Ich packe meistens ein großes >Pain de Campagne< ein. Noch mehr Brot (unter anderem das liebste mit Fenchel und Rosinen) gibt's im Le Salonard. Der Sjiek Kookpunt serviert >lekker kost< zum Mitnehmen und lokal verspeisen, ebenfalls im Viertel. Schräg gegenüber ist ein großartiger kleiner Blumenladen: Bij Sam Sam. Allein ins Fenster zu schauen, macht schon Freude. Der Stopp in der Patisserie Royale ist obligatorisch - und nur einen Katzensprung vom Maastrichter Samstagströdelmarkt entfernt. Klein und überschaubar, direkt vor dem Bahnhof in der Stationsstraat. Ich habe bislang immer etwas dort gefunden . . .

Für die nächsten Orte muss ich über die >Sint Servaasbrug<. Wer mag biegt vor der Brücke noch links ab Richtung Bonnefantenmuseum. Der Bau von Aldo Rossi liegt einen kleinen Fußmarsch entfernt direkt an der Maas. Hat auch einen netten Museumsshop. Am Ende der Brücke schlenkere ich jedoch rechts ab, und umgehe damit die Haupteinkaufsstraße. Die steuere ich aussschließlich - und je nach Laune, Wetter und Wochentag nur für die sehr bekannte (und dementsprechend gut besuchte) Buchhandlung Dominicanen in einer Kirche an. Oder für ein Eis bei Australian Homemade. Oder für eine Portion Frietjes bei Frituur Reitz auf dem Markt. Mein eigentliches Ziel bleibt das Koekhuis aan de Maes, der kleine Bruder des Amsterdamer Duikelman. Mittlerweile gibt es zwar mit dem >Kochhaus< in Köln auch einen deutschen Ableger, aber niederländische Kochbücher finde ich natürlich nur hier :) Stehe ich anschließend mit dem Rücken zum >Koekhuis<, gehe nach links und biege die zweite Gasse ebenfalls links ab, lande ich irgendwann mit ein bisschen geradeaus, um die Kurve und Fragen in der Brandweerkantine. Zur Kuchenpause. Oder einer mit Kaffee und Limonade. Auf der selben Straße, der Capucijnenstraat, liegt auch das Marres. Ein kleines Museum für zeitgenössische Kunst in einem Haus aus dem 20. Jahrhundert. // Kleine Randnotiz: Ich habe mir die (mich) bereichernde Ausstellung >Notes on Creativity< über Ferran Adrià angesehen. Die dort gezeigte Dokumentation >Cooking in Progress< findet sich noch bis September in der Mediathek. Unbedingt empfehlenswert (!) ist auch das im gleichen Haus untergebrachte Marres Kitchen. Serviert wird orientalische Küche - und im Sommer mit Platz im Garten. Im Schatten der Feige. Auf dem Weg zurück Richtung Innenstadt erst letztens neu entdeckt: Food Gallery & More. Ich war schon satt, aber das teste ich: beim nächsten Mal.

Ja, ganz schön viel Aroma. Aber deswegen bin ich dort - und hier ;)

Dienstag, 14. Juni 2016

(nicht nur) sonntagsbrötchen


auch ein weites herz



Dänemark, 2008. Ich möchte unbedingt nach Kopenhagen - mit dem Auto. Um die ferne Strecke angenehm zu portionieren, plane ich dafür zwei Stopps ein. Den ersten an der Nordsee, nahe St. Peter Ording, und den zweiten auf der dänischen Insel Fünen, um dann über den >Storebælt< nach >Copenhappy< (wie Marleen die Stadt so schön nennt) zu sausen. Ich segle willkürlich durch das Netz und buche - auf gut Blick - >Liselund<. Das Bed & Breakfast von Jette. Für genau zwei kleine Übernachtungen. Tatsächlich bleibe ich zwölf Tage.

°

Wir kommen an - und sind die einzigen Gäste. Da wir uns verspätet haben, erwischen wir Jette auf halbem Feldweg im Auto. Sie muss noch schnell in den Supermarkt nach >Nyborg<, aber die Haustür sei offen. Sie schließe hier nie ab. Willkommen :) Wir parken, stellen unser Gepäck im Hausflur ab, ich laufe sofort zum Meer. Emma ist dabei. Kurze Distanz: Schon durch die grüne Lücke sehe ich das Wasser, gesäumt von einem schmalen Steinstrand und inmitten: ein/zwei/drei (private) Stege. Es ist früher Abend, menschenleer, im Schleierblau zeigt sich die Silhouette der Brücke. Zum Greifen nah. Nur ein kleiner Sprung, so fühlt es sich an. Ich laufe auf den mir nächsten Steg, Emma hinterher, setze mich ganz nah an die Kante, und schaue nach vorn. Nur nach vorn. Sehe ein einziges Blau und damit alles. Einer jener Augenblicke. >Er liebte das Meer aus tiefen Gründen.< Dieser Satz, den ich damals noch nicht kannte. Dank dir schlägt er immer wieder Wellen. So gerne denke ich an dieses Stück Zeit zurück.

~

Ich weiß, ich kann jetzt nicht gehen. Wir verlängern, obwohl das eigentlich unmöglich ist. Jette muss für vier Tage nach Hamburg. Sie fährt - und wir bleiben. Vier Tage ohne Jette bedeutet allerdings auch vier Tage ohne ihre >Jettebrötchen<. Diese faulen, knusprigen Dinger, deren Teig Jette jeden Abend in einer großen Schüssel zusammmenrührt, und dann in den Kühlschrank stellt. Um sie am nächsten Morgen mit einem großen Holzlöffel auf ein Blech zu klecksen und in den Ofen zu schieben. Ohne Rühren, ohne Kneten, ohne Formen, ohne Nix. Noch ofenwarm reicht sie Salzbutter (na klar!) dazu und selbstgemachte Marmelade. Was für ein Start in (fast) jeden Tag. Das Rezept hängt nun seit acht Jahren neben dem des Mini-Käsekuchens. Süß und salzig. Zwei Blätter über dem Herd, mehr braucht es oftmals nicht.


Brötchen ohne Kneten nach Jette
600 Gramm (Weizen-)Mehl
125 Gramm (Weizen-)Vollkornmehl (o >Grahamsmel< - falls in Dänemark unterwegs!)
25 Gramm Frischhefe
1 Esslöffel Honig
1 Esslöffel Salz
500 Milliliter Wasser, lauwarm
100 Milliliter Milch

Mehl mischen. Hefe, Honig, Salz in Wasser auflösen. Alles mit einem Löffel zusammenrühren. Milch nicht vergessen! Keinesfalls kneten. Etwa 14 Stunden (am besten über Nacht) bedeckt im Kühlschrank gehen lassen. Angemerkt: Unbedingt eine ausreichend große Schüssel wählen; Teig wächst! Ohne Kneten und erneut mithilfe eines Löffels (klebt ein wenig!) brötchengroße Portionen auf ein (Backpapier-)Backblech setzen. Bei vorgeheizten 240 Grad O/U 20 bis 25 Minuten knusprig bräunen.

Nyd dit måltid!


Noch so eine Erinnerung: Streifen.

Donnerstag, 9. Juni 2016

netzkonfetti // 01


Wie oft habe ich den letzten Wochen diesen Ort aufgerufen, einen Text angeschrieben, umgeschrieben - oder es gleich ganz sein lassen. Den Stift zur Seite gelegt und die Füße hoch. Die Kamera erst gar nicht in die Hand genommen. Das Leben leben lassen. Mit sonnigen Wellen, reißenden Strömen und ja, einigen grauen Wolken. Sehr oft. Wohin, wohin (mit mir)? Ach, es ist still geworden, aber weil hier keine Wüste entstehen soll, streue ich ein wenig Netzkonfetti (aus all dieser Zeit). Gerade auch, weil ich das auf anderen Blogs immer so gerne mag.

schmecken Ottolenghis Blumenkohl-Tabbouleh. Die liebsten Pancakes mit Orangen-Rhabarber-Kompott. Endlich Marias blaue Variante mit dem besten Zitronenuntergrund ausprobiert. Noch mehr Zitrone: Huhn nach Marcella Hazan. Indische Creme (da gäbe es auch noch ein famoses Brötchenrezept zu. Bald mal!). Kathrin schickt mich zu Mollys Röstmöhren. Sommerrollen.

sehen / lesen / hören / klicken Arianes kulinarische Reisepost aus Japan. Der heitere Wolf. Das neue Viertel Vor. Und immer wieder die Kunstkinder. A Piece Apart Stories. Brigitte wir (auch ohne dritte Lebenshälfte ;)). Parallel zu >Stir< von Jessica Fechtor (das ich wirklichwirklich sehr mag!): A Table in the Orchard. Zwei, die ich noch besuchen möchte: Pina Bausch und Das Bauhaus. Hannah Höch in der >Kunsthalle Mannheim<. betsi. von Kowalke. Wir sind Hollywood. La Belle Saison. The Floating Piers.

fühlen / drüberdenken Manipura. Das Wollen einstellen. Große Augen. >Ich will jedenfalls nicht hören: 'Das war toll!'< Meine Antwort auf Angst, ist Freiheit. >Warum ist weniger für dich mehr, Christoph Keller?<. Claires Dschungel für Anfänger.



. . . und Eure Pfade?