Montag, 17. Juni 2013

hollerlei



Im 
goldenen Teig
versteckt:

holde Blütenlöckchen

*





Sie stehen in ihrer Blüte. Endlich! Vorhang hoch für den Holunder. Warten ist (nicht immer) meine Stärke. Ungeduldiges Fingerspitzenklopfen taktet sich durch den Tag. Wann ist er denn soweit? Vor zwei Wochen bereits beäugte ich meinen Holunderbusch des Vertrauens. Bewappnet mit einer Spanholzkiste war ich guten Mutes - doch: Fehlanzeige. Ganz grün war er noch hinter den Dolden. Es sonnte ja auch nicht, nur das Aroma kitzelte vorwitzig auf der Zunge. Am Wochenende dann reckten sich mit den Sonnenstrahlen auch die Blüten in die Höhe. Wie unlängst die Löwen kommen auch die Dolden aus dem Tal. Auf meinen >Sonnenhang< ist Verlass. Das Gefühl in mir, er könnte nicht mehr wiederkommen, zwickten die Kuppen fleißig. Blüten über Blüten über Blüten - ab. 

Da lagen sie nun in meiner Küche. Wie einst Zweins - nur plus Eins. Es wurde aus ihnen ein Dreierlei. Ein Dreierhollerlei. Premierend mit den plustrigen Pfannenküchlein. Lauter Abzweigungen im Teiginneren versteckt. Der Duft zieht durch die Decke, kleine Adern schimmern zärtlich durch. Kräftige Zähne durchbeissen das Grün. Puderzucker stärkt den Holunder. Das mache ich noch einmal. Ich freue mich darauf - wenn vielleicht auch erst im nächsten Jahr. Ich glaube, ich kann tatsächlich warten.

Auf euch, ihr acht Küchlein! Fabriziert auf der Basis der liebsten fluffigen Fladen (nach Jamie O.). Dafür 3 große Eier trennen und das Weiß mit einer Prise Salz zu gutem Schnee hochziehen. Zur Rast schicken. Das Gelb in einer Schüssel mit 120 Gramm Mehl (vorab mit einem hügeligen Teelöffel Backpulver vermischt), 140 Milliliter Milch und einem Esslöffel Rohrohrzucker zu einem zähen Teig verquirlen. Mit dem Besen den Schnee unterziehen. Außerdem zwei Händevoll Holunderblüten vorsichtig versenken. Bitte: Die straßenfern gesammelten Dolden vorher kurz (!) ausschütteln. Wirklich nur kurz, denn der aromatische Blütenstaub darf nicht verloren gehen. Mit einer Schere die festen Stiele abschneiden. Was bleiben soll, sind Sternchen mit nur feinen Ästen.

Eine heiße butterschmalzige Pfanne achtmal beschöpfen. Die Küchlein von beiden Seiten goldbräunen. Auf den Teller, auf den Tisch. Mit Puderzucker einstäuben - und wer's süßer mag: ein paar Rohrohrzuckerkristalle aufrieseln. Optional: ein Klecks Crème Fraîche. Ich habe unbehäubt zugebissen.

Die zweite Ladung goß ich mehrjährig erprobt in Gläser. Gelée mit Sekt wurde es wie gehabt. Im Geléesee taumelt jeweils eine kleine Dolde. Sieht schön aus. Eventuell mit einem Holzstäbchen in die richtige Position bringen. Und als Drittes: Sirup. Der zieht jedoch noch an. Fünf Tage im großen Schnappverschlussglas. Mit Zitronenrädern und massenweise Zucker. Hut ab! Bei Erfolg wird das Rezept nachgereicht. In der Zwischenzeit hilft: Abwarten und kaltes Wasser trinken. Soviel wieder zur Geduld.

Ich habe mir sagen lassen, es sonnt kräftig. 
Ihr findet mich im Schatten.

Montag, 10. Juni 2013

fünf tage, vier (grüne) ideen


Spinatblätter
Wilde Kräuter
Rhabarber
Birne


Spinatblätter
Champignons 
Mozarella
Melone 
Cashews


Basilikum
 Petersilie
Minze

Koriandersamen
 Röstpinien
 Salzpfeffer

im 
Naturjoghurt

mit
Zitrone

zu



Couscous
Petersilie
Minze

Gurke
 Melone

Rosinen
Pistazien
 Schafskäse

.

immer wieder die

!

Dieses Jahr ist grün. Eine Farbe, die mein wachsamer Begleiter zu sein scheint. Immer wieder auch auf dem Tisch. Ihr seht und lest: Ich mag es selbst im Salzigen süß. Dazwischen klemmt sich: ein erinnerndes Grün. Der Blick aus dem >Giacometti-Raum< im Louisiana. Ein Bild aus dem Blau, das ich heute dank Tine aus den schönsten Herzgedanken zog.

Was ist euer Grün?

Freitag, 7. Juni 2013

zweins


Schokoladenquadrate 

mit 
Frischkäse
taille
.
   




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Erste Strahlen, ein erster Hauch bewegt:
Frühling mit Sommer.

Heute: nur Sommer.



 Sie schmilzt.

Mittendrin: Der frische Käse im Quadrat und die Sonne. Warum Frühling, wenn man gleich Sommer haben kann? Zwei in Eins. Nach dem Regen kündigte sich am letzten Wochenende tatsächliche eine leise Ahnung an. Wehte zart durch dreierlei Stoff - durch die Punkte. (Jedes Mal muss ich leise lächelnd an Tines >Wer nichts weiß, macht n' Kreis denken< Doch: Es ist immer noch Konfettiliebe!) Die weitere beständig große Liebe ist übrigens die Karte im Rahmen: Nadja Auermann aus der Serie >Images of Women< von Peter Lindbergh. Schmilzt. Wie die Schokolade. Ein Glück, es war der letzte Sonntag. Ein Sonntag mit nur leiser Ahnung.

Und dennoch: Tief schokoladig, leicht salzig in der Mitte, die Oberfläche ein Feld mit vielen Wegen, sind die Quadrate eigentlich für jeden Sonn(en)Tag. Was ich am meisten an ihnen mag, ist der salznotige Frischkäse, der in Scheiben sich dazwischenlegt. An manchen Stellen mehr, an manchen weniger. Passt perfekt in (m)ein Quadrat. 20 x 20.

Für diese Form: 115 Gramm gute Zartbitterschokolade im Wasserbad schmelzen - zusammen mit der gleichen Menge Butter. Kurz abkühlen lassen. 170 Gramm (vanillisierten) Feinzucker einrühren, ebenso wie zwei große Eier. 70 Gramm Mehl hinzu sowie 25 Gramm gemahlene Mandeln. Die übliche Prise Salz streut. Die Hälfte des Schokoladensuds in die backpapierbekleidete Form schwallen. Stopp. 175 (oder auch 200) Gramm Frischkäse in Scheiben messern. Auflegen - wie eine beruhigende Hand. Wer aufgeschlossen is(st), probiert Ziege. Anschließend mit der anderen Schokoladenseehälfte bedecken. An einigen Stellen schimmert Käse zärtlich durch. Ich mag das. In den vorgeheizten 175 Grad warmen Ofen schieben. 20 bis 25 Minuten backen. Die Decke sollte brüchig trocken sein, das Innere jedoch noch sanft klitschig. Testet!

Aus dem Ofen holen, auskühlen lassen. Ich bevorzuge absolut kühl und schneide die Quadrate erst dann. Ihr mögt es anders? Auch gut. Wie auch immer: Verbindet das Beste.

Schönstes Sonnwo.

Eine Entdeckung: >ten songs that saved your life< über missboulette. Ich mag Rodarte. So und So.
Noch mehr Mode: Alaïa im NRW-Forum Düsseldorf.

Das Rezept gabelte ich einst bei Chaosqueen auf.

P.S. In völlig anderer, aber auch sehr verbindender Sache: Die Fluthilfe von SoLebIch.

Freitag, 31. Mai 2013

trotz(t) regen



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Ein 
Rezept.

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 Bevor es vergrünt.


Für 8 Ecken

460 Gramm Mehl (Typ 550)
zwei Teelöffel Backpulver
ein Teelöffel Curry
ein Teelöffel Salz
-
mischen

zwei große Hände Bärlauchgrün 
(oder andere Kräuter)
fein geschnitten
-
unterheben

ein Ei 
125 Gramm kalte Butterwürfel
250 Milliliter Milch
-
gerade so 
mit den Knethaken 
des Handrührers 
verdrehen

auf die leicht bemehlte 
Arbeitsfläche kippen
-
einen höheren Kreis formen
in der Mitte leicht eindrücken
-
 in acht Ecken
nach Augenmaß 
messern

auf dem Backpapierblech

etwa 25 bis 30 Minuten

im vorgeheizten Ofen 
bei 200 Grad bräunen
-
lauwarm 
bebuttern
bedippen
.


Das Paradiso kommt durch den Briefschlitz. Seit eh und je - und nicht nur bei Regen - hält Blax die Haare fern; für das optimale Sprossenempfangsgesicht, irgendwann. Manchmal hilft verbiegen. Ein Glücksfall heute: die Stielkasserolle von Riess. (TK Maxx sei Dank! Dort gibt es übrigens gerade auch günstige Töpfe und Formen von >Le Creuset<. Mein Schnapper: endlich ein 20 x 20 Quadrat.) >Le Cake au Chocolat de ma Belle-Mère<. Förmchenfunde für >zierratundgold<. Goldene Post. 

Außerdem: Stachelbeereis mit Baiserkrümeln von Tati. Der Blog >Eat this Poem<. Margaret Howell. Und Rituale.

Zum Beispiel: Schönwo.

(Rezeptquelle: Slowly Veggie! // GourmetGuerilla)  
(Bildquellen: a daily something // Rebecca Genet * Grossman & Friends)  

Montag, 27. Mai 2013

schnee (und fast weiß)


Die richtige
Position finden.

O

o
                                                                       o



Unterwegssein. Nicht ganz weit weg - dazu fehlt mir dann doch das intensivgeimpfte Fernweh-Gen - aber zumindest so weit, dass neue Bilder, Stimmungen und Gerüche Kopf und Herz füttern. Ich bin gerne mit dem Auto unterwegs. Einfach fahren, einfach los. Mich ungeleitet leiten lassen - und gehöre dabei noch zu denjenigen, die mit grober Orientierung auf die Straße gehen. Öfter mal abfahren. In Städten bin ich selten mit Stadtplan unterwegs. Einmal eingeprägt, ist der Sinn sehr ausgeprägt. Ein Wunsch, der seit vielen Jahren wächst, ist eine Deutschlandreise - quer durch, oben, unten und im Kreis. Plätze und Landstriche aufspüren, die mir bislang verborgen waren. Einmal alle >braunen Schilder< anfahren. Ja!

Und jetzt die Kurve. Letzter Stopp: Bad Neuenahr. Ich liebe es, in Kleinststädten und Kurorten auszusteigen. Es liegt ein so unglaublich verschlafener Atem über den Kernen. Und egal welches Ziel, in jedem Ort suche ich nach einem Café. Oft und gerne nach einem richtig altmodischen Café. Mit Gardinen und Sahnerosen auf den Torten. In dem Fall: >Konditorei Irmgartz<. Zwei Maikäfer aus Schokolade krabbelten in die Tüte - und auf den Teller für unterwegs legte sich ein Stück Eissplittertorte. Eissplittertorte! Ich bin verliebt in unbekannt. In halbgefrorene Sahnebaiserschichten, in Schokolade und Krokantkrümel, in den Knack zwischen den Zähnen. In die lächelnde Situation, wenn das Stück mit jedem Gabelstoß fast von der Pappe fliegt. In dieses Gefühl, etwas Neues kennengelernt, ein weiteres Wegstück gefunden zu haben. Gehört übrigens für mich definitiv auf so ein braunes Schild.

Wieder eine Kurve: Zuhause wurden sofort Eiweiß getrennt. Für Baisers - in weißer Voraussicht auf den Feiertag. Und die andere Hälfte, die Eigelb, suchten Verwendung. Eierlikör! Gibt es etwas, das noch mehr Kaffeekränzchen ist? Ich sage: nein. Und ich sage: der Eierlikör ist groß - und tendenziell schneeweiß. Oder schneegrau. Jedenfalls ganz wie ich es mag, denn mit der Farbe Gelb habe ich es nicht so. Orange genotet, gut im Fluss, aber nicht zu zäh. Einen Schleier auf das Glas legend. Und kaltgerührt. 

Aus sechs frischen (!) Bio-Eigelb (Größe M). Diese zusammen mit 150 Gramm Puderzucker und dem Handmixer fünf Minuten (mindestens) zu einer fast pastösen hellcremigen Masse aufschlagen. Dazu streut: Orangenzeste von zwei Früchten - und Vanillemark einer Schote. Als Flüssigkeit: 150 Milliliter frisch gepresster Orangensaft sowie Kondensmilch. Eine kleine Dose mit 170 Gramm Gewicht und Milchmädchen, 130 Gramm. (Ich habe es mit Sahne ebenfalls versucht, fand die jetzige Mischung jedoch besser.) Einstrahlen, vorsichtig - und immer rührend. Außerdem: 350 Milliliter guten Weinbrand. Sorgt trotz Farbe für diese Farbe. Ihr seht es ja. In Ruhe lassen - und ziehen. Zwei Stündchen. Nach der Pause durch Sieb (!) und Trichter dem Flaschenhals einflößen. Füllt insgesamt knapp einen Liter. Abnippen, möglichst zügig und streng gekühlt. Innerhalb von vier bis sechs Wochen sagt Tim, der die frohe Quelle ist.

Eissplittertorte gibt es später (dazu). Ich nippe noch - und bin dabei.

Immer wieder die richtige Position zu finden.
Darum geht es.

Der Abend sonnt.

Konditorei Irmgartz * Hauptstraße 103 * Bad Neuenahr-Ahrweiler